Deutsch als Zweitsprache (DaZ)

Deutsch als Zweitsprache an der CBES-Allendorf ist ein schulbegleitender Unterricht und richtet sich grundsätzlich an Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache, die in der Regel keinerlei Deutschkenntnisse besitzen. Sie werden als Seiteneinsteiger ab dem 10. bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres größtenteils während des laufenden Schuljahres, selten zu Beginn des Schuljahres in die Intensivklassen aufgenommen.

Zurzeit gibt es an der CBES eine Intensivklasse, bestehend aus einer altersgemischten, internationalen Gruppe von bis zu 9 Schülerinnen und Schülern, Tendenz steigend. Einige sind bereits in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 teilintegriert, das heißt sie besuchen neben dem Unterricht zum Erlernen der deutschen Sprache auch Fächer wie Mathematik, Englisch oder Kunst und Sport. Unter den Schülerinnen und Schülern befinden sich sowohl asylsuchende minderjährige Geflüchtete aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Somalia oder dem Iran als auch zunehmend Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Deutschland gekommen sind.

Die Heterogenität der Schülergruppen bezieht sich allerdings nicht allein auf die unterschiedlichen nationalstaatlichen Herkünfte, sondern vor allem auch auf die diversen kulturellen Hintergründe, Lebensbedingungen und Wertvorstellungen. Zudem gibt es im Hinblick auf den Aufenthaltsstatus und die Aufenthaltsdauer sowie das Vorwissen, die schulischen bzw. außerschulischen Lernerfahrungen und den Entwicklungsstand in der Muttersprache erhebliche Unterschiede.

Zielsetzung/Kompetenzen: Eine erfolgreiche Integration setzt die Fähigkeit voraus, sich in den eigenen lebensweltlichen Zusammenhängen angemessen verständigen zu können. Deshalb verfolgt der DaZ-Unterricht das Ziel, durch gezielte Förderung beim Erlernen der deutschen Sprache während der regulären Schulzeit den Jugendlichen eine rasche Eingliederung in den regulären Schulbetrieb und damit gleiche Bildungschancen zu ermöglichen.

Neben der reinen Vermittlung von Sprachkenntnissen wird besonderer Wert auf die Entwicklung sozialer und interkultureller Kompetenzen gelegt. Die CBES betrachtet die Vielfalt der kulturellen Hintergründe und Lebenserfahrungen, die die Seiteneinsteiger mitbringen, als Bereicherung. Auch die Lehrkräfte profitieren von der Möglichkeit, durch diese Vielfalt selbst neue Erfahrungen zu sammeln, was ihnen hilft, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg angemessen zu unterstützen.

Erste Phase: Unterricht in den Intensivklassen

Stundenplan und Zeugnisse: Das Förderkonzept der CBES zielt darauf ab, die DaZ-Schülerinnen und Schüler schrittweise und möglichst rasch in die Regelklassen zu integrieren. In der ersten Phase nehmen sie in der Regel ausschließlich für etwa 3 bis 6 Monate am DaZ-Unterricht teil. Dieser umfasst täglich 5 bis 6 Stunden, in denen die Schülerinnen und Schüler binnendifferenziert unterrichtet werden, um individuell auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Zusätzlich zum Sprachunterricht umfasst das Konzept auch Mathematik- und Landeskundeunterricht, um Wissenslücken, insbesondere in diesen Fächern, zu schließen.

Die Schülerinnen und Schüler der Intensivklassen erhalten gleichzeitig mit den Regelschülern zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende ein spezielles Zeugnis. Dieses Zeugnis bewertet ihren Lernfortschritt in den Bereichen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben in Bezug auf ihr erreichtes Sprachniveau. Falls bereits eine Teilintegration in die Regelklassen stattgefunden hat, können auch schon erteilte Fachnoten in das Zeugnis aufgenommen werden.

Lehrwerke: Ein zentrales Element des Spracherwerbs ist ein geeignetes Lehrwerk, das kontinuierlich genutzt wird. Für Schülerinnen und Schüler mit geringem Lern- oder Sprachstand wird zunächst das einfach gestaltete Arbeitsbuch „Willkommen in Deutschland“ als Einstieg verwendet. Für primäre oder sekundäre Analphabeten wird zunächst ein Alphabetisierungslehrwerk eingesetzt.

Das derzeit verwendete Lehrwerk „Wir – Neu“ aus dem Klett-Verlag wird als Lehr- und Arbeitsbuch genutzt. Es zeichnet sich durch eine kleinschrittige Arbeitsweise aus, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, weitgehend selbstständig zu arbeiten. Der Unterricht wird durch zahlreiche weitere Materialien ergänzt, um sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem sprachlichen Niveau bestmöglich gefördert werden.

Methoden und Inhalte: Im Hinblick auf ein möglichst eigenständiges Lernen haben sich die von den DaZ-Lehrkräften erstellten Arbeitspläne als sehr nützlich erwiesen. Diese Pläne sind den einzelnen Kapiteln der Lehrwerke zugeordnet und geben sowohl für Lehrende als auch für Lernende einen gut strukturierten Lernprozess vor. Sie berücksichtigen die unterschiedlichen Arbeitsniveaus und machen den individuellen Arbeitsfortschritt durch entsprechende Tests überprüfbar.

Die genannten Lehrwerke unterstützen neben Übungen zur Phonetik auch das Training von Hör- und Leseverstehen sowie schriftlichem Ausdruck anhand jugendspezifischer Themen und Sprechsituationen. Da formale Grammatikvermittlung für Kinder und Jugendliche oft weder motivierend noch einprägsam ist, werden grammatische Strukturen in den Lehrwerken in kommunikativen Kontexten eingeführt, sodass die Schülerinnen und Schüler diese innerhalb der Lektionen selbst entdecken können. Je nach Wissensstand und Alter der Schülerinnen und Schüler kommen auch zusätzliche Lehrwerke, Unterrichtsmaterialien, Spiele und neue Medien zum Einsatz. Die teilweise effektiv nutzbaren Online-Angebote der Schulbuchverlage können in den gut ausgestatteten Klassenräumen mit Active Panel und Beamer abgerufen werden.

Um die Schülerinnen und Schüler schon in der ersten Integrationsphase auf den Regelunterricht vorzubereiten und monotones Deutschlernen zu vermeiden, wird der tägliche DaZ-Unterricht von 5 Stunden abwechslungsreich gestaltet. Gemeinsam binnendifferenziert vorbereiteter Unterricht und bewegungsorientierte oder kreativ-spielerische Einheiten sorgen für einen abwechslungsreichen Stundenplan.

Projekttage und besondere Aktionen, die in enger Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen geplant werden, tragen maßgeblich dazu bei, dass unsere DaZ-Schülerinnen und Schüler sich als Teil der Schulgemeinschaft fühlen. Ein besonders gelungenes Beispiel hierfür sind Kunstprojekte, bei denen Kunstkurse aus verschiedenen Jahrgangsstufen in Kooperation mit der DaZ-Klasse gemeinsam kreativ arbeiten. Diese Projekte fördern nicht nur die künstlerischen Fähigkeiten, sondern stärken auch das Miteinander und den kulturellen Austausch.

Auch sportliche Veranstaltungen wie unser jährliches Fußballschulturnier bieten eine hervorragende Gelegenheit, die DaZ-Schülerinnen und Schüler aktiv in das Schulleben einzubinden. Solche gemeinsamen Erlebnisse schaffen Verbindungen über sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg und unterstützen die Integration in die Schulgemeinschaft auf eine spielerische und zugleich bedeutungsvolle Weise.

Zweite Phase: Teilintegration und Übergang in die Regelklassen

Eingliederung in die Jahrgangsstufen und Stundenplan: In der zweiten Phase des Integrationskonzepts werden die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem Alter und Lernstand schrittweise in eine Regelklasse integriert. Die Zuordnung zu einer bestimmten Jahrgangsstufe und einem Schulzweig erfordert sorgfältige Überlegung, klare Kommunikation und eine fundierte Begründung, um Demotivation zu vermeiden. Häufig entspricht die Einstufung nicht den Erwartungen der Schülerinnen und Schüler, da sie oft in eine niedrigere Jahrgangsstufe eingegliedert werden müssen, um den durch den Erwerb der Zweitsprache bedingten Zeitverlust auszugleichen. Auch den Eltern oder Betreuern muss gut erläutert werden, dass eine Einstufung in den Hauptschulzweig sinnvoll sein kann, da hier der Lernerfolg absehbar ist. Im deutschen Bildungssystem besteht nach einem erfolgreich abgeschlossenen Hauptschulabschluss immer die Möglichkeit, den weiteren Bildungsweg bis hin zum Abitur zu verfolgen.

Die teilintegrierten Schülerinnen und Schüler nehmen zunächst parallel zum DaZ-Unterricht am Regelunterricht teil, wobei ein individueller Stundenplan erstellt wird, der ihrem Lern- und Sprachstand entspricht. Dies betrifft vor allem die Fächer Englisch, Mathematik, Sport und musische Fächer. Das Verhältnis von DaZ-Unterricht und Regelunterricht sollte sich so entwickeln, dass die Integration nach maximal zwei Jahren abgeschlossen ist, ohne dass in dieser Zeit Fachnoten vergeben werden müssen. In besonderen Ausnahmefällen kann diese Frist auf Antrag beim Schulamt verlängert werden. Auch nach vollständiger Integration, solange die Schülerinnen und Schüler noch nicht in einer Abschlussklasse sind, können in begründeten Fällen weiterhin verbale Beurteilungen anstelle von Ziffernnoten erfolgen.

Sprachsensibler Fachunterricht: In den Regelklassen sollte ein sprachsensibler Unterricht praktiziert werden, der von einer starren inhaltlichen Umsetzung der Lehrpläne abweicht. Dieser Unterricht bietet den Schülerinnen und Schülern gezielte sprachliche Unterstützung, insbesondere bei der Bearbeitung von Aufgabenstellungen. Passendes Lehr- und Lernmaterial, wie die Reihe „Prima ankommen“ aus dem Cornelsen-Verlag, steht für alle Fächer zur Verfügung und kann dabei effektiv eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Arbeit der Fachlehrer sollte nicht das abrufbare Wissen, sondern das Potenzial und der Lernfortschritt der DaZ-Schülerinnen und Schüler stehen. Aufgrund der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ist ein offenes und flexibles Unterrichtskonzept erforderlich, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fachlehrern und den DaZ-Lehrkräften voraussetzt.